Aus STEIN.KERAMIK.SANITÄR
Ausgabe 1.2023

Kulturneubau mit Strahlkraft und Ausblick

Das Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design in Oslo vereint vier Museen unter einem Dach und ist damit das größte seiner Art im nordischen Raum: Die Sammlung umfasst rund 400 000 Objekte – Gemälde und Skulpturen, Zeichnungen und Textilien, Möbel und architektonische Modelle von der Antike bis zur Gegenwart. Etwa 5 000 davon sind in der Ausstellung zu besichtigen.

Die Halle, die Schuwerk "Alabasterhalle" nennt, ist das i-Tüpfelchen des massiven Museumsbaus. Ihre sieben Meter hohen Wände sind aus Glas und dünnstem Marmor.

Architekt Klaus Schuwerk (Kleihues + Schuwerk) plante das ausgedehnte Ausstellungsgebäude in zentraler Lage am Hafen. Sein Entwurf war 2010 unter 238 Einreichungen mit dem ersten Preis im Architektur-Wettbewerb ausgezeichnet worden. Eine „stille Bühne“ für die Kunst, die die Aufmerksamkeit auf die Werke lenkt, wollte der Wahlneapolitaner damit schaffen. Es wurde ein Gebäudeblock, einer Festung ähnlich, das wie ein Felsmassiv erscheint, das mit dem Hafenareal verwachsen ist. Die „Süddeutsche Zeitung“ beschreibt den Bau denn auch als „irrwitzigen Quader, der in der Stadtbucht von Oslo gegenüber der Festung Akershus und gleich neben dem nun zierlich wirkenden cremefarbenen Nobel-Friedenszentrum in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude aufragt“.

Dauerhaftigkeit und Ökologie

Das norwegische Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design (norwegisch Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design) in Oslo entstand im Jahr 2003 aus dem Zusammenschluss mehrerer bestehender staatlicher Museen unter einer Leitung: des norwegischen Architekturmuseums, des Museums für Volkskunst, der Nationalgalerie Norwegens und der norwegischen Reichsausstellung (norwegisch Riksutstillinger), einer Institution für zeitgenössische norwegische Kunst.

Wenige längliche Öffnungen an den Zugängen am Hafen und vom Stadtzentrum bilden Einschnitte in die graugrüne Natursteinhülle. Der Höhe nach passt sich der Gebäudekomplex der Umgebung an und „wächst” in nordwestliche Richtung, wo Bürohochhäuser mit Rasterfassaden dicht beieinanderstehen.

Überhaupt waren bei der Auswahl der Materialien Dauerhaftigkeit und ein geringer Wartungsaufwand wichtig; Schuwerk legte zudem Wert darauf, dass diese in Würde altern. Ökologische Aspekte spielten sowohl bei den Baustoffen als auch im Gebäudebetrieb eine große Rolle: Den Heiz- und Kühlbedarf deckt eine Wärmepumpe mit Meerwasser als Energiequelle. Das Design der Ausstattung sollte zeitlos sein, was bis in die Nebenräume zu spüren ist, wie zum Beispiel in den Sanitärräumen, wo Klassiker aus der Armaturen- und Sanitärwelt den Ton angeben. Speziell die Keramik kam Schuwerks Vorstellungen von Langlebigkeit und Robustheit und damit im besten Sinne Nachhaltigkeit sehr entgegen.

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  • Skulpturen des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland

    Skulpturen des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland

  • Das Nationalmuseum ist neben der neuen Stadtbibliothek, der Deichman-Bibliothek, und dem Munch-Museum der dritte Kulturbau, der in den vergangenen zwei Jahren fertiggestellt wurde.

    Das Nationalmuseum ist neben der neuen Stadtbibliothek, der Deichman-Bibliothek, und dem Munch-Museum der dritte Kulturbau, der in den vergangenen zwei Jahren fertiggestellt wurde.

  • Das Nationalmuseum bietet eine Dauerausstellung mit rund 5.000 Objekten, die alles von Design, Kunsthandwerk und bildender Kunst aus vielen verschiedenen Jahrhunderten bis hin zu zeitgenössischer Kunst, umfassen.

    Das Nationalmuseum bietet eine Dauerausstellung mit rund 5.000 Objekten, die alles von Design, Kunsthandwerk und bildender Kunst aus vielen verschiedenen Jahrhunderten bis hin zu zeitgenössischer Kunst, umfassen.

  • Der deutsche Architekt Klaus Schuwerk, der das Museum mit seinem Büro kleihues + schuwerk geplant hat, bezeichnete die Ausstellung als einen "Flohmarkt"

    Der deutsche Architekt Klaus Schuwerk, der das Museum mit seinem Büro kleihues + schuwerk geplant hat, bezeichnete die Ausstellung als einen "Flohmarkt"

  • Der Boden ist mit Krensheimer Muschelkalk ausgelegt, die Wände sind mit vertikal geschnittenem Schiefer und dunklen Eichenpaneelen verkleidet, die Toilettenwände sind aus Marmor.

    Der Boden ist mit Krensheimer Muschelkalk ausgelegt, die Wände sind mit vertikal geschnittenem Schiefer und dunklen Eichenpaneelen verkleidet, die Toilettenwände sind aus Marmor.

Natursteinmassiv mit Lichthaus

"Unsere Vision ist es, Kunst für alle zugänglich zu machen und die Gesellschaft und Zeit, in der wir leben, zu reflektieren."
Karin Hindsbo, Museumsdirektorin

Norwegischer Schiefer prägt das monumentale Ausstellungshaus, ein Naturstein, der traditionell als Dach- und Fassadenmaterial verwendet wird. Für die Fassade wurde graugrüner Oppdal-Quarzit aus einem Abbaugebiet nahe Trondheim verwendet, einem der härtesten Gesteine der Welt. Der dunkle Schiefer-Sockel des 130 Meter langen Baukörpers orientiert sich in der Höhe an den Bestandsbauten. Quer darüber lagert ein heller Riegel, der sich deutlich abhebt: leicht und filigran, die transluzente Fassade fein unterteilt, in einer gänzlich anderen Materialität, die Schuwerk selbst „Alabasterhalle“ nennt. Der weiße Alabaster-Schimmer verwandelt sich bei Dämmerung in ein warmes Leuchten. Dahinter liegt das Herzstück des neuen Kunstmuseums, der Raum für Wechselausstellungen. Wenn er abends illuminiert wird, kehrt sich die magische Wirkung des Lichtes von innen nach außen und prägt so das Stadtbild.

Der Neubau umgreift die Altbauten wie ein großes „L“. Ein neuer Eingangshof führt Besucher in das Museum und dient als Außenbereich für das hauseigene Café. Breite Stufen führen zum zentralen Atrium, das mit den Dachterrassen verbunden ist. Von hier bieten sich atemberaubende Blicke auf den Fjord wie auch auf die Silhouette von Oslo.


Fotos: Iwan Baan, Danica O. Kus, Nasjonalmuseet

Über das Museum: https://www.nasjonalmuseet.no/

Über die Architekten: Klaus Schuwerk/Arbeitsgemeinschaft Kleihues + Schuwerk: https://kleihues.com/kontakt/

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