Schwaketenbad verbindet Freizeitspaß und Natur

Angesichts der Lage des Sport- und Freizeitbads am Rand des Schwaketen- und Mainauwalds entwickelten Behnisch Architekten ein Projekt, dessen unverwechselbares Erscheinungsbild vor allem auf einer natürlichen Farb- und Materialwelt beruht. Die Badelandschaft unter dem skulptural gefalteten Dach ist dabei nicht zuletzt vom harmonischen Zusammenspiel der keramischen Ausstattung geprägt.

Das Schwaketenbad in Konstanz gilt als größtes Sport- und Familienbad am Bodensee. Behnisch Architekten haben ein harmonisches Farben-und Formenspiel und eine skulpturale Dachlandschaft entworfen.

Fast sieben Jahre habe die Planungen und der Bau des neuen Schwaketenbades in Konstanz, so die Stadtwerke Konstanz. Auch die Kosten hielten sich nicht an die ursprünglichen Planungen. Am Ende lagen sie bei rund 41 Millionen Euro und damit deutlich höher als ursprünglich geplant.
Das neue Schwaketenbad gilt als größtes Sport- und Familienbad am Bodensee. Es liegt zwischen Freiluftsportstätten und Kleingärten in einer naturnahen Grünfläche, die nahtlos in eine idyllische Wald- und Wiesenlandschaft übergeht. Der Ort ist geschichtsträchtig, denn das in den 1980er-Jahren an gleicher Stelle befindliche alte Schwaketenbad fiel 2015 einem Großbrand zum Opfer. Kaum ein Jahr später lobte die Bädergesellschaft Konstanz einen Architekturwettbewerb für einen Neubau aus. Der Wunsch nach mehr Wasserattraktionen sowie erweiterten Wasser- und Gastronomieflächen ließ klar erkennen, dass hier ein neues Kapitel aufgeschlagen werden sollte. Dennoch dauerten Planung und Bau noch fast sieben Jahre und eine Investition von über 40 Millionen Euro, bis sich im April 2022 die ersten Badegäste hier tummeln konnten.
Jetzt erfreuen sie sich an zwei Sportbecken und ein Kursbecken mit Hubboden.
Außerdem gibt es ein Kleinkind- und ein Nichtschwimmerbecken mit Rutsche, ein Whirlpool, eine Sprunganlage, zwei Riesenrutschen und ein Wasserspielplatz.

Zwei Sportbecken und ein Becken für Schwimmkurse ergänzen den Freizeitbereich

Geplant und realisiert wurde dies von Behnisch Architekten in einen 10 000 m² großen Neubau. Ziel der Architekten war ein Gebäude mit „natürlicher Materialität“, das Bezüge zu den angrenzenden Landschaftsräumen herstellt und so „Vertrautheit“ erzeugt.

Die Badegäste treffen auf ein Gebäude, das trotz beachtlicher Größe angenehm kleinteilig wirkt. Charakteristisch in diesem Zusammenhang sind die großflächige, vor und rückspringende Glasfassade und die auskragenden Dachflächen, unter denen geschützte Übergangsbereiche zwischen innen und außen entstehen. Prägend sind aber auch die unaufgeregt natürlichen Farbtöne und Oberflächen. Im Foyer fällt insbesondere das harmonische Miteinander der Materialien ins Auge: im wilden Verband verlegte, 30 x 60 cm große cremebeige Bodenfliesen, die Deckenbekleidung aus Fichten-Kanthölzern und einige Sichtbetonwände. Den ersten Farbakzent setzen rote Sichtschutzwände, die in den angrenzenden, ebenfalls mit cremebeigen Bodenfliesen ausgestatteten Umkleidebereich überleiten.

"Die Verwendung von Naturbaustoffen war uns von Beginn an ein besonderes Anliegen, um dem neuen Bad den gewünschten naturverbundenen Charakter zu verleihen."

Stefan Rappold, Partner Behnisch Architekten

Der Weg von den Umkleiden und Duschen in die Badelandschaft führt durch einen Durchgang mit 2,5 x 2,5 cm großen Mosaikfliesen an Boden und Wänden. Die in Blautönen schimmernde Mosaikmischung verleiht diesem Zwischenbereich eine gewisse Mystik und lässt den Weg zur lichtdurchfluteten Weite der offenen Badelandschaft zum Erlebnis werden. Die Badehalle wird von derselben natürlichen Farb- und Materialwelt wie im Eingangsbereich geprägt. Überspannt wird sie von einer aus drei gefalteten Streifen zusammengesetzte Dachlandschaft, die ein faszinierendes dreidimensionales Raumgefüge vermitteln und eine luftige Großzügigkeit erzeugt.

Für eine harmonisch-weiche Farbwelt in der Badehalle sorgen die 11,5 x 24 cm großen weiß-bläulichen Schwimmbadfliesen im Zusammenspiel mit insgesamt 2 800 m² der unglasierten sandweißen, 5 x 5 cm großen Bodenfliesen. Das Kleinformat erfüllt nicht nur zuverlässig die notwendige Rutschhemmungsklasse R10/B, sondern erleichtert auch die ästhetische Ausbildung von Anschlüssen an andere Bauteile (z. B. Abläufe, Stützen, Rinnen) oder Entwässerungsflächen mit Gefälle. Diese Fliesen prägen nahezu sämtliche Bodenflächen der Badelandschaft, die Beckenumgänge ebenso wie den Gastronomiebereich der Badehalle und das Dampfbad.

Der blauschimmernde, mit Mosaikfliesen belegte Durchgang wirkt mystisch und führen die Badegäste in die große, lichtdurchflutete Badehalle. Im

Gezielte Akzente setzen hingegen die Mosaikfliesen der Sitzbänke dank der nebeneinander gesetzten Rottöne, die zugleich auf deren Funktion als wärmende Aufenthaltsfläche hinweisen. Sie findet man auch wieder in dem als steinerner Kubus am Rand der Badehalle platzierten Dampfbad: Dessen Inneres präsentiert sich dank Sitzstufen und Wänden in dieser Mosaikmischung als leuchtend rotglühender Kristall. In beiden Fällen wurden die Sitzflächen in der trittsicheren Version R10/B ausgeführt.

Für eine dezente, feinsinnig inszenierte Farbstimmung sorgen die 2,5 x 2,5 cm großen Mosaikfliesen im Kleinkindbecken. In die Mosaikmischung „light blue-mix“ am Beckenboden sind Kreise aus unterschiedlichen anderen Mosaikmischungen eingestreut, die sich teilweise über den Beckenrand hinweg in den Beckenumgang erstrecken. Getrennt sind Becken und Umgang lediglich durch das flache Beckenkopfsystem Wiesbaden, bei dem das abfließende Wasser durch eine speziell geformte Rinne ein leises Rauschen erzeugt, das anbrandende Wellen erinnert.

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  • Im Dampfbad sorgt schon allein die Wandbekleidung mit dem kräftigen Rotton

    Im Dampfbad sorgt schon allein die Wandbekleidung mit dem kräftigen Rotton

  • Überhaupt spielt Farbe bei der Gestaltung verschiedener Bereiche eine wichtige Rolle.

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  • „Wärmende“ Farbgestaltung im Föhn- und Stiefelgang

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  • Den nach Süden orientierten Bistrobereich ergänzt eine Terrasse im Außenraum

    Den nach Süden orientierten Bistrobereich ergänzt eine Terrasse im Außenraum

  • Schon der lichtdurchflutete Eingangsbereich sorgt für eine einladende Atmosphäre.

    Schon der lichtdurchflutete Eingangsbereich sorgt für eine einladende Atmosphäre.

  • Mosaikfliesen im Kinderbecken sorgen für eine stimmungsvolle Gestaltung.

    Mosaikfliesen im Kinderbecken sorgen für eine stimmungsvolle Gestaltung.

Baudaten:

Nutzung: Sport- und Familienbad
Auftragsart: Wettbewerb mit nachgeschaltetem Verhandlungsverfahren
Bauherr: Bädergesellschaft Konstanz mbH, Konstanz
Architektur: Behnisch Architekten, Stuttgart
Bruttogeschossfläche: 10.172 m²
Gebäudevolumen: 63.118 m³
Fliesen: Agrob Buchtal (Serie „Fresh“, Serie „Chroma Pool“ im Zusammenspiel mit insgesamt 2800 m² der unglasierten sandweißen, 5 x 5 cm großen Bodenfliesen der Serie „Plural“.

Gerüstet für die Zukunft

Die Keramikfliesen verfügen über die vom Hersteller Agrob Buchtal werkseitig aufgebrachte Veredelung „Hytect“. Sie setzt im Zusammenspiel mit Licht und Sauerstoff auf natürliche Weise aktiven Sauerstoff frei, der direkt auf der Oberfläche und ohne Chemie das Wachstum von Schimmel, Viren und Bakterien hemmt. So minimiert sich nicht nur der Reinigungsaufwand, es werden zudem Luftschadstoffe und störende Gerüche abgebaut. Abgesehen von der abwechslungsreichen Architektur ist das Schwaketenbad aber auch durch das Zusammenspiel zwischen den zeitlos natürlichen Materialien und Oberflächen und der umgebenden Naturlandschaft eine zeitlose Investition, was die bereits im ersten Jahr erreichten Besucherzahlen von über 280 000 Besuchern (Stand März 2023 laut Konstanzer Bädergesellschaft) bestätigen.


Über das neue Konstanzer Schwimmbad: www.schwaketenbad.de/.
Über den Bauprozess: https://www.schwaketenbad.de/der-weg-vom-brand-bis-zum-neubau.

Die Architekten: Behnisch Architekten (https://behnisch.com/)
Die keramischen Fliesen: Agrob Buchtal GmbH (agrob-buchtal.de/de)

Fotos: © agrob-buchtal.de/David Matthiessen

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